Man- und Pettrailen – Wenn die Nase führt
- Isabella Weniger
- 25. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren gehe ich regelmäßig gemeinsam mit meiner Therapiebegleithündin Nala zum Man- und Pettrailen und zur Flächensuche. Aktuell befinde ich mich außerdem in der Ausbildung zur Man- und PettrailTRAINER. In dieser Zeit habe ich nicht nur die faszinierenden Fähigkeiten der Hundenase kennengelernt, sondern auch erlebt, wie positiv sich diese Form der Nasenarbeit auf das Wohlbefinden, das Selbstvertrauen und die Mensch-Hund-Beziehung auswirken kann.
Für mich ist Trailen weit mehr als eine Beschäftigung oder ein Hobby. Es ist eine Möglichkeit, den Hund in seiner ureigensten Kompetenz zu erleben: dem Riechen.
Die Nase – das wichtigste Sinnesorgan des Hundes
Während wir Menschen unsere Umwelt vor allem über die Augen wahrnehmen, ist für Hunde die Nase das zentrale Sinnesorgan. Sie verfügen über rund 220 bis 300 Millionen Riechzellen, während wir Menschen lediglich etwa 5 bis 6 Millionen besitzen.
Zusätzlich können Hunde Gerüche nicht nur wesentlich feiner wahrnehmen, sondern auch analysieren und unterscheiden. Über das sogenannte Jacobsonsche Organ können sie sogar bestimmte chemische Botenstoffe und Pheromone erfassen, die für uns völlig unsichtbar bleiben.
Wenn ein Hund trailt, folgt er nicht einfach nur einem Geruch. Er filtert aus einer Vielzahl von Umweltgerüchen die individuelle Geruchsspur einer bestimmten Person oder eines bestimmten Tieres heraus. Für uns wirkt das oft wie Magie – tatsächlich ist es jedoch das Ergebnis einer hochentwickelten biologischen Meisterleistung.
Was passiert im Hundekörper während der Suche?
Suchen und Finden sind für Hunde natürliche Verhaltensweisen. Bereits ihre Vorfahren mussten ihre Nase einsetzen, um Nahrung aufzuspüren, Artgenossen zu finden oder Gefahren einzuschätzen.
Während des Trailens werden verschiedene Botenstoffe und Hormone ausgeschüttet:
Dopamin – der Motivationsmotor
Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Erwartung von Erfolg. Bereits während der Suche steigt der Dopaminspiegel an. Der Hund erlebt Vorfreude, Motivation und Konzentration. Das erklärt, warum viele Hunde schon beim Anlegen des Suchgeschirrs voller Begeisterung sind.
Endorphine – das Glücksgefühl nach dem Erfolg
Wird die gesuchte Person oder das gesuchte Tier gefunden, werden Endorphine ausgeschüttet. Diese körpereigenen „Glückshormone“ sorgen für positive Emotionen und stärken die Freude an der Aufgabe.
Oxytocin – Bindung durch gemeinsames Erleben
Zwischen Mensch und Hund kann durch gemeinsame Erfolgserlebnisse vermehrt Oxytocin ausgeschüttet werden. Dieses Hormon wird häufig auch als Bindungs- oder Kuschelhormon bezeichnet und stärkt die soziale Beziehung.
Stressabbau durch konzentrierte Nasenarbeit
Anders als bei vielen actionreichen Beschäftigungen führt konzentrierte Nasenarbeit häufig zu einer emotionalen Ausgeglichenheit. Viele Hunde wirken nach einem gelungenen Trail angenehm müde, zufrieden und entspannt.
Warum Trailen so wertvoll ist
Beim Man- und Pettrailen geht es nicht um Gehorsam, Geschwindigkeit oder Perfektion. Es geht darum, dem Hund eine Aufgabe zu geben, die seiner Natur entspricht.
Der Hund lernt:
eigenständig Entscheidungen zu treffen,
Probleme zu lösen,
seiner Nase zu vertrauen,
mit Herausforderungen umzugehen,
Frustration auszuhalten und weiterzuarbeiten.
Gerade unsichere Hunde profitieren oft enorm von dieser Arbeit. Jeder erfolgreich absolvierte Trail stärkt ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein
In der modernen Hundeerziehung sprechen wir häufig von Selbstwirksamkeit. Damit ist die Erfahrung gemeint, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können.
Beim Trailen erlebt der Hund genau das:
"Ich habe eine Aufgabe. Ich kann sie lösen. Meine Entscheidungen führen zum Erfolg."
Diese Erfahrung kann sich positiv auf viele andere Lebensbereiche übertragen. Hunde, die regelmäßig die Möglichkeit bekommen, selbstständig zu arbeiten und eigene Lösungen zu finden, entwickeln häufig mehr Selbstvertrauen und Gelassenheit.
Mein persönliches Fazit
Ich liebe das Man- und Pettrailen von ganzem Herzen.
Kaum eine andere Beschäftigung ermöglicht es dem Hund, seine natürlichen Fähigkeiten so intensiv auszuleben. Hier darf er entscheiden. Hier darf er sagen, wo es langgeht. Hier ist nicht der Mensch derjenige, der vorgibt, sondern derjenige, der begleitet und die Körpersprache des Hundes genau beobachten lernen muss.
Für viele Hunde ist das eine unglaublich stärkende Erfahrung. Sie gewinnen Selbstbewusstsein, erleben Selbstwirksamkeit und dürfen zeigen, was wirklich in ihnen steckt.
Und jedes Mal, wenn ich meiner Hündin beim Arbeiten zusehe, bin ich aufs Neue beeindruckt davon, wie viel Wissen in einer Hundenase steckt.
Denn manchmal ist der beste Weg genau der, den wir Menschen nicht sehen können – den der Hund aber längst erschnuppert hat. 🐾



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