Nasenarbeit für Hunde – Beschäftigung mit Sinn
- Isabella Weniger
- 27. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Am Pfingstwochenende durfte ich im Rahmen meiner Ausbildung im Bereich Man- und Pettrailing in Carnuntum wieder erleben, wie beeindruckend die Hundenase eigentlich wirklich ist. Gemeinsam mit einigen Teams der Rettungshundestaffel Wien und Burgenland konnten unsere Hunde genau das tun, was sie am liebsten machen: schnüffeln, suchen und einer Spur gezielt folgen.
Es war faszinierend zu beobachten, mit welcher Motivation und Konzentration die Hunde gearbeitet haben. Für sie ist Nasenarbeit weit mehr als nur Beschäftigung – sie entspricht einem natürlichen Bedürfnis. Während wir Menschen unsere Umwelt hauptsächlich über die Augen wahrnehmen, erleben Hunde ihre Welt vor allem über die unterschiedlichsten Gerüche - der Hund "liest" quasi dadurch seine Umgebung. Diese Erfahrungen haben mich einmal mehr darin bestätigt, wie wertvoll Nasenarbeit für unsere Hunde sein kann – und warum sie so viel mehr ist als nur ein „Suchspiel“.
Wer seinen Hund aufmerksam beobachtet, merkt schnell: Die Nase ist sein wichtigstes Werkzeug, um die Welt zu verstehen.
Aus meiner Sicht als tierschutzqualifizierte Hundetrainerin gehört Nasenarbeit zu den sinnvollsten und artgerechtesten Möglichkeiten, Hunde körperlich und vor allem mental auszulasten. Sie stärkt nicht nur die Konzentration und das Selbstvertrauen, sondern kann auch helfen, Stress abzubauen und die Mensch-Hund-Beziehung nachhaltig zu verbessern.
Was macht die Hundenase so besonders?
Die Nase eines Hundes ist ein wahres Meisterwerk der Natur. Hunde besitzen – je nach Rasse – bis zu 300 Millionen Riechzellen. Zum Vergleich: Der Mensch verfügt lediglich über etwa 5 Millionen. Zusätzlich ist der Bereich im Gehirn, der Gerüche verarbeitet, beim Hund um ein Vielfaches größer ausgeprägt als bei uns.
Hunde können Gerüche auch fein differenzieren. Sie sind in der Lage, einzelne Duftbestandteile voneinander zu trennen und sogar alte Geruchsspuren noch wahrzunehmen.
Für Hunde erzählen Gerüche Geschichten:
Wer war hier?
Wie alt ist die Spur?
War das Tier gestresst oder entspannt?
Handelt es sich um Freund oder Fremden?
Die Nase liefert also Informationen, die für uns Menschen vollkommen verborgen bleiben.
Wie werden Gerüche aufgenommen?
Beim Schnüffeln arbeitet die Hundenase hochkomplex. Anders als beim normalen Atmen wird die Luft beim Schnüffeln gezielt eingesogen und verwirbelt. Dadurch gelangen Geruchspartikel besonders effektiv zu den Riechzellen.
Ein Hund kann außerdem mit jeder Nasenseite unterschiedliche Gerüche wahrnehmen und diese getrennt verarbeiten. Das hilft ihm dabei, Richtungen zu erkennen und Spuren exakt zu verfolgen. Zusätzlich besitzen Hunde das sogenannte Jacobson-Organ. Dieses ermöglicht ihnen, Pheromone wahrzunehmen – also chemische Botenstoffe anderer Tiere. Dadurch können Hunde beispielsweise Informationen über Stimmung, Geschlecht oder Paarungsbereitschaft erhalten. Man könnte sagen: Hunde riechen nicht nur Gerüche – sie analysieren ganze Situationen.
Was bewirkt das Schnüffeln beim Hund?
Schnüffeln hat viele positive Wirkungen beim Hund! Viele wirken nach intensiver Nasenarbeit ausgeglichener und zufriedener. Das liegt daran, dass konzentriertes Suchen das Gehirn sinnvoll beschäftigt und gleichzeitig beruhigend wirken kann.
Besonders bei:
nervösen Hunden, unsicheren Hunden,
sehr aktiven Hunden, Junghunden oder
Hunden aus dem Tierschutz kann Nasenarbeit eine wertvolle Unterstützung im Alltag sein.
Der Hund arbeitet bei der Nasenarbeit sehr konzentriert, ruhig und selbstständig, dass heißt er trifft Entscheidungen und erlebt Erfolgsmomente - hier wird vor allem das Selbstvertrauen gestärkt.
Viele Hunde lernen außerdem durch Nasenarbeit:
sich besser zu konzentrieren,
Ruhe zu finden,
ihre Umwelt bewusster wahrzunehmen,
eigenständig Probleme zu lösen.
Gerade im stressigen Alltag kann Schnüffeln also wie eine kleine mentale Entspannung wirken.
Welche Arten der Nasenarbeit gibt es?
Nasenarbeit ist unglaublich vielseitig und kann individuell an Hund und Mensch angepasst werden.
Futtersuche im Alltag
Die einfachste Form der Nasenarbeit. Leckerlis werden im Gras, in der Wohnung oder unter Gegenständen versteckt und der Hund darf sie suchen. Bereits wenige Minuten können den Hund sinnvoll beschäftigen.
Spurensuche
Hier folgt der Hund einer gelegten Spur am Boden. Dabei arbeitet er sehr konzentriert und lernt, Gerüche über längere Strecken zu verfolgen.
Mantrailing
Beim Mantrailing sucht der Hund anhand eines individuellen Geruchs eine bestimmte Person. Diese Form der Nasenarbeit fordert Konzentration, Teamarbeit und Ausdauer.
Viele Hunde erleben dabei enorme Erfolgserlebnisse, weil sie ihre natürlichen Fähigkeiten gezielt einsetzen dürfen.
Zielobjektsuche
Der Hund lernt, einen bestimmten Gegenstand oder Geruch zu finden und anzuzeigen. Diese Art der Arbeit verlangt präzises Arbeiten und eignet sich hervorragend zur mentalen Auslastung.
Warum Nasenarbeit so sinnvoll sein kann
Aus tierschutzfachlicher Sicht erfüllt Nasenarbeit viele wichtige Bedürfnisse des Hundes. Sie ermöglicht artgerechtes Verhalten und gibt dem Hund die Möglichkeit, seine natürlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse auszuleben.
Mein persönliches Fazit
Für mich gehört Nasenarbeit zu den wertvollsten Beschäftigungsformen im Zusammenleben mit Hunden. Sie ist artgerecht, vielseitig und für nahezu jeden Hund geeignet.
Es fasziniert mich immer wieder zu beobachten, wie Hunde beim Schnüffeln förmlich aufblühen. Unsichere Hunde gewinnen an Selbstvertrauen, hibbelige Hunde finden Ruhe und viele Mensch-Hund-Teams lernen sich auf einer ganz neuen Ebene kennen.
Nasenarbeit bedeutet nicht „höher, schneller, weiter“. Sie bedeutet, dem Hund Raum zu geben, Hund sein zu dürfen.
Genau deswegen habe ich mich heuer dazu entschlossen einige Ausbildungen zum Thema: Gerüche, Nasenarbeit, Man- und Pettrailing zu absolvieren.



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