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Therapiebegleithund – ein Engel auf 4 Pfoten

Ich lege das Tüchlein um den Hundehals und Nala weiß nun ganz genau: nun beginnt ihre Aufgabe - sie darf in den Einsatz. Ruhig, konzentriert und mit sanften Augen betritt sie gemeinsam mit mir den Raum oder den Garten, wo das tiergestützte Setting stattfinden soll.

Was dann passiert, ist jedes Mal aufs Neue für mich sehr berührend. Menschen egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung beginnen zu lächeln. Ihre angespannten Gesichter werden weicher. Freudige Gesten, Gespräche entstehen ganz plötzlich im zuvor sehr stillen Raum. Oft braucht es keine großen Worte – denn Hunde schaffen etwas, das wir Menschen manchmal nur schwer erreichen:  liebevolle, wertschätzende, echte, ehrliche Momente und Verbindungen.


Genau das macht die Arbeit eines Therapiebegleithundes so wertvoll. Sie schenken Nähe, Vertrauen, Sicherheit und emotionale Unterstützung – egal ob in Schulen, pflegerischen oder sozialpädagogischen Einrichtungen, in der Traumarbeit oder bei psychischen Belastungen.


Ein Therapiebegleithund kann Türen öffnen, wo Worte oft nicht mehr ausreichen.

Als Prüferin für angehende Therapiebegleithundeteams erlebte ich erst gestern, wie besonders die Verbindung zwischen Menschen und Hund sein kann. In der Ausbildung geht es nicht um Perfektion, sondern um Vertrauen, Empathie und vor allem ein harmonisches Miteinander. Doch was macht nun einen guten Therapiebegleithund aus? Und warum ist eine professionelle Ausbildung überaus wichtig?


Warum eine professionelle Ausbildung so wichtig ist?

Nicht jeder freundliche Hund eignet sich automatisch als Therapiebegleithund. Die Arbeit verlangt besondere Fähigkeiten – sowohl vom Hund als auch vom Menschen.

Während der Ausbildung lernt ein Mensch-Hundeteam:

  • sich sicher und stressfrei in unterschiedlichen Situationen zu bewegen

  • Körpersprache richtig zu lesen (Calming Signals)

  • ruhig und souverän auf Menschen zu reagieren

  • Grenzen des Hundes zu erkennen

  • hygienische und rechtliche Grundlagen

  • tiergestützte Intervention verantwortungsvoll umzusetzen


Besonders wichtig ist dabei das Wohlbefinden des Hundes. Während des Settings arbeitet ein guter Therapiebegleithund niemals unter Druck – sondern in vertrauensvollen und harmonischen Miteinander mit seinem Menschen – welche eine TRIADE bildet.


Welchen Nutzen hat ein Therapiebegleithund?

Die positiven Auswirkungen tiergestützter Arbeit sind mittlerweile vielfach in einigen Studien belegt.

Souter & Miller (2007)„Do animal-assisted activities effectively treat depression?“

Ergebnis:Positive Effekte auf emotionale Stabilität und psychisches Wohlbefinden.

Banks & Banks (2002)

Die Untersuchung zeigte:Regelmäßiger Hundekontakt reduzierte Einsamkeitsgefühle bei Bewohner:innen von Pflegeeinrichtungen.

McNicholas & Collis (2000)

Ergebnis:Menschen kommen leichter miteinander in Kontakt, wenn ein Hund anwesend ist.


Ein Therapiebegleithund kann:

  • Stress reduzieren

  • Vertrauen fördern

  • Kommunikation erleichtern

  • Motivation steigern

  • Emotionale Stabilität unterstützen

 

Buchempfehlung: Tiergestützte Therapie mit Hunden – Katharina Blesch


Ausbildung in Österreich

Eine seriöse Ausbildung sollte immer:

  • gewaltfrei,

  • fair,

  • praxisnah

  • und individuell auf Mensch und Hund abgestimmt sein.


Denn jedes Team bringt unterschiedliche Voraussetzungen und Lernerfahrungen mit, sowie andere Wünsche und Ziele des späteren Einsatzes.


Die Ausbildung eines Therapiebegleithundes ist genau geregelt und beinhaltet: Theorie, Praxis, Selbststudium und angeleitete Praxiseinsätze. Bei der Prüfung darf der Hund nicht jünger als 24 Monate sein und durch den Tierarzt gesundheitlich überprüft und freigegeben.


Welche Hunde eignen sich für diese Arbeit?

Grundsätzlich kann viele Hundearten für die Ausbildung geeignet sein – entscheidend ist nicht die Rasse, sondern das Wesen des Hundes.

Ein geeigneter Therapiebegleithund sollte:

  • freundlich und sozial sein

  • gerne mit Menschen arbeiten

  • stressresistent sein

  • sich gut regulieren können

  • keine Aggressionen zeigen

  • Freude an gemeinsamer Arbeit haben


Auch Mischlinge oder Hunde aus dem Tierschutz können hervorragende Therapiebegleithunde werden.


Mein persönliches Fazit

Eine Therapiebegleithund-Ausbildung ist weit mehr als klassisches Hundetraining. Sie schafft Vertrauen, stärkt die Mensch-Hund-Beziehung und ermöglicht wertvolle Begegnungen zwischen Hund und Mensch.

Mit der richtigen Ausbildung kann ein Therapiebegleithund Menschen emotional unterstützen, Motivation fördern und Lebensqualität schenken – in Schulen, sozialen Einrichtungen, Pflegeheimen oder therapeutischen Settings.

Denn manchmal braucht es keine großen Worte.Manchmal reicht ein Hund, der einfach da ist.

 

 
 
 

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